DIRK BLEESE TRIO

Trio auf den ersten Gig

In Between – dazwischen und trotzdem dabei - diesen Weg geht Dirk Bleese seit mehr als 25 Jahren aus voller Überzeugung. Authentizität und der Wunsch nach ideeller Unabhängigkeit  waren und sind dem Komponisten und Pianisten außerordentlich wichtig. In den zurückliegenden Jahren hat der umtriebige und stets neugierige Hamburger auf vielen musikalischen Hochzeiten getanzt -  und das erfolgreich auf höchstem professionellem Niveau. Unter anderem hat er Opern und Musicals komponiert und war musikalischer Leiter am Hamburger Schauspielhaus. Zudem hat er als Leiter der Studienvorbereitung an der Staatlichen Jugendmusikschule Hamburg unzählige Talente auf ihr Leben als Profimusiker vorbereitet.

2013 hatte Bleese ein musikalisches Erlebnis der besonderen Art, das bis heute nachwirkt.  Ein Gig mit den Berliner Musikern Oliver Potratz (Bass) und Tilo Weber (Schlagzeug) bedeutete für ihn die Erfüllung eines lang gehegten Traums.  „Schon nach den ersten Minuten war mir klar, dass ich endlich die absolute Wunschbesetzung für mein Trio gefunden hatte“, erinnert sich der 47-Jährige und erklärt die besondere Magie dieser Hamburg-Berlin-Connection. „Mit Oliver und Tilo klappte die Kommunikation – auf und abseits der Bühne – von Anfang an perfekt. Wir schwingen auf der absolut gleichen Wellenlinie. Jeder Ton KANN sein, MUSS aber nicht, das ist für mich Jazz!“

In Between heißt nun das Debut des Trios, dessen Musik sich vieler Schubladen bedient, ohne in einer dieser tatsächlich hineinzupassen. Seine Kraft und Virtuosität schöpft das Ensemble aus drei Säulen. Mit dem Hanseaten Bleese, sowie Potratz aus der pulsierenden Berliner Musikszene und Weber, dem Shootingstar unter den jungen Drummern, verbinden sich Tradition, Moderne und Jugend zu einem spannenden, einzigartigen Klaviertrio-Erlebnis. Ihre Stücke klingen erfrischend anders, als der zu oft gehörte Trampelpfad. Bleeses Kompositionen schimmern vielfarbig, sind sorgfältig durchdacht und warten mit überraschenden Wendungen auf – ohne kopflastig zu sein.
Für den Bandleader ist die Veröffentlichung seines ersten Albums, mit dem er 25 Jahre gewartet hat, zugleich ein persönliches Outing: „Nach vielen Jahren des Wanderns durch zahlreiche musikalische Genres und Felder der angewandten Musik bin ich wieder bei meinen Wurzeln angekommen und habe den Künstler in mir wiederbelebt. Jazzklavier ist der Schlüssel und der Grund für mein professionelles Schaffen“, erklärt Bleese. Die Ansprüche, die er sich an in die in vier Monaten entstandenen Kompositionen auf seinem Debut-Album stellte, waren von Anfang an klar: jeder Song sollte eine von einander unabhängige Geschichten erzählen.

Vom Opener Butter Bossa, der dahinfließt wie Butter, über das exotisch anmutende China Tea, bis zum heiteren Rausschmeißer Blues Muse macht Bleese seine musikalische Philosophie deutlich: den Mut zu schönen Melodien zu haben und diese mit komplexer Harmonik und intelligenten Formen zu verschmelzen. Auf diese Art möchte der Pianist mit seiner Musik einen tieferen Zweck erfüllen und erklärt:   „Mit diesem Album wollen wir die oft zitierte vierte Wand durchbrechen.“ Heißt: einen unmittelbaren und direkten Kontakt zum Zuhörenden herzustellen – etwas, was auch auf metaphysischer Ebene geschieht. Wer Bleese schon auf Konzerten erlebt hat, weiß, was damit gemeint ist. Eine starke Bühnenpräsenz zum Beispiel und ein bis ins kleinste Detail durchdachter, dramaturgischer Spannungsbogen, der sich über den Abend zieht. Überzeugungen, die viele seiner Kollegen allerdings nicht teilen, wie der Hamburger schon häufiger erfahren musste. „Ein gemeinsames, gleichberechtigte Konzerterlebnis mit dem Publikum zu suchen, das wirkt auf viele deutsche Musiker befremdlich, manche empfinden es sogar als uncool“, bedauert Bleese. Nicht zuletzt deswegen fühle er sich in der Jazzkultur seiner Landsleute mitunter fremd oder - um beim Albumtitel zu bleiben -  In Between.