SEBASTIAN BOEHLEN

Wassertropfen auf einem pastellfarbenen, grünen Hintergrund verkünden den herannahenden Frühling, symbolisieren den Kreislauf des Lebens. Das Coverfoto gibt die Stimmung vor, die der Gitarrist Sebastian Böhlen auf seinem neuen Album „Fun Flowers“ aufgreift. Wenn die Natur zu neuem Leben erwacht, es wieder überall wächst und sprießt, kehren auch die Lebensgeister in manchen Menschen zurück. Entsprechend farbenfroh und fröhlich klingen die Stücke auf seinem neuen Album.  

Mit dem neuen Werk setzt der preisgekrönte Gitarrist einen bewussten Gegenpol zum Vorgänger „Geboren unter diesem weichen Wind“ (ebenfalls erschienen bei Laika Records). Das 2017 erschiene Konzeptalbum mit der israelischen Sängerin Efrat Alony war sowohl textlich als auch musikalisch wesentlich düsterer geraten. „In den zurückliegenden Monaten hatte ich Gelegenheit, viele Konzerte zu spielen. Das waren intensive Momente, die mir verdeutlicht haben, wie viel Spaß und Freude ich beim Spielen vor Publikum empfinde. Diese Stimmung wollte ich konservieren und mit ins Aufnahmestudio nehmen“, erinnert sich Böhlen an die Grundidee von „Fun Flowers“.

Dem Wahl-Berliner war sofort klar, dass er diese Stimmung am besten würde abbilden können, wenn er alte musikalische Weggefährten um sich versammelt. Mit dem Schlagzeuger Peter Gall, dem Trompeter Magnus Schriefl (beide auch Mitglieder der Band „Subtone“), dem Bassisten Max Leiß, sowie dem Saxofonisten Stefan Karl Schmid hatte Böhlen sein Traumensemble schnell gefunden, dem er die Kompositionen auf den Leib schneidern konnte. „Als Gitarrist in einem Quintett zu spielen, ist eine besondere Herausforderung, die mich enorm reizte“, sagt Böhlen und erklärt: „Diese Besetzung lässt viele Gestaltungsmöglichkeiten zu. Kräftige Farbbilder und großzügige Instrumentierungen zum Beispiel.“

Den dafür erforderlichen Spagat zwischen Führen und sich Zurücknehmen beherrscht Böhlen exzellent. „Sein Mut zur Offenheit ist eine kompositorische Glanzleistung. Als Gitarrist ist er ohnehin über jeden Zweifel erhaben. Seiner zu jeder Sekunde greifbaren Musikalität haftet schon fast etwas Sakrales an, weil sie von großer Konzentration und Ernsthaftigkeit begleitet wird“, schwärmte das „Jazzpodium“ bereits vor fünf Jahren, als Böhlen gerade sein zweites Album „Miscela“ veröffentlicht hatte. Auch auf „Fun Flowers“ beweist der Gitarrist wieder eindrucksvoll, dass er es meisterhaft versteht, musikalische Stimmungsgemälde zu zeichnen.

In Kompositionen wie Mexico“ oder „Sambariter“ etwa, die leicht-beschwingt daherkommen und den Zuhörenden eine kräftige Brise lateinamerikanische Lebensfreude um die Nase wehen lassen. Oder in „Querxborn“, dem Opener des Albums, mit dem Böhlen sein Publikum auf eine Reise in die sächsische Lausitz mitnimmt. Dort, wo einst einer Sage nach die Querxe gelebt haben sollen. Zwergenhafte, gutmütige Wesen, die als fleißige und heimliche Helfer der Menschen beschrieben werden, aber auch gerne Schabernack treiben. Mit seinen verträumten Gitarrenklängen zum Auftakt der Komposition gelingt es Böhlen spielerisch leicht, sein Publikum in diese fantastische Welt rund um Querxborn (so der Name der Quelle auf dem Breiteberg, der die Wichtel der Legende nach entspringen) eintauchen zu lassen.

Gänzlich andere Klänge schlagen Böhlen und sein Ensemble auf „Inverted Turn“ an. Das vertrackte, jazzrockartige Stück lebt von seinen metrischen Wechseln, wodurch der Eindruck von konstanter Bewegung und ständigen Richtungswechseln entsteht. Eine Komposition, die man sich auch gut in einer Verfolgungsszene eines Roadmovies vorstellen könnte.

Die Ballade „Lendas“ wiederum bezieht sich auf den gleichnamigen Ort im Süden von Kreta. „Eine 80-Seelen-Gemeinde direkt am Meer mit Jahrtausende alter Geschichte und einer ganz besonderen Stille, die ich in dieser Intensität nirgendwo anders erlebt habe“, erinnert sich der Gitarrist an seine Reise ans Libysche Meer vor einigen Jahren. In dieser fast zehnminütigen Komposition unterstreichen die Musiker mit ebenso virtuosen wie gefühlvollen Soli ihre individuellen Qualitäten. Gleichzeitig demonstrieren sie, was es heißt, ein eingespieltes Ensemble zu sein, in dem sämtliche musikalische Rädchen perfekt ineinandergreifen. „Der Ensemble-Klang ist einfach grandios“, freut sich Böhlen über das Ergebnis, das die Band im Studio erarbeitet hat.

Ein Lob, das Magnus Schriefl an Böhlen zurückgibt. Der Trompeter erkennt in den Kompositionen des Gitarristen eine ganz besondere Qualität, die er als „intelligente Art der Improvisation“ bezeichnet. „Obwohl Sebastians Vorlagen oft sehr dicht arrangiert sind und viel Liebe zum Detail erkennen lassen, ist er kein Pedant, sondern lässt den Mitspielern genug Raum für eigene Ideen. Dadurch können die Stücke organisch wachsen. Ein Prozess, der ein Gespür dafür erfordert, wann der beste Zeitpunkt für eigene Akzente ist. Das erzeugt Spannung, garantiert aber auch enorme Spielfreude“, blickt Schriefl auf die gemeinsame Zeit im Studio zurück.

Auf einen prächtigen, farbenfrohen Frühlingsgruß der besonderen Art!

  • Discographie Sebastian Böhlen
      Sebastian Boehlen Cover

      Sebastian Böhlen Band
      "Fun Flowers"


      Sebastian Böhlen - Gitarre, Komposition
      Magnus Schriefl - Trompete, Flügelhorn
      Stefan Karl Schmid - Tenor- und Sopran-Saxophon
      Max Leiß - Bass
      Peter Gall - Schlagzeug


      Format: CD, 08 Titel, 55:57 Minuten
      Katalognr / EAN: 35103702 / 4011786193707
      VÖ-Datum: 03.Mai 2019

      Tracks: Querxborn 8.46
      Buyormimeree 4.55
      Mexico 6.58
      Inverted Turn 7.07
      Fun Flowers 7.29
      Sambariter 6.28
      Lendas 9.38
      Whistling Woman 4.30
      All songs composed by Sebastian Böhlen

      Recorded in July 2018 by Christian Bader at Blackbird Music Studio, Berlin
      Mixed and mastered by Christian Bader at Studio P4, Berlin
      Produced 2019 by Peter Cronemeyer for Laika Records
      Photo by Felix Groteloh
      Peter Gall plays Zildjian cymbals and Vic Firth sticks
      This production is supported by Kunststiftung Baden-Württemberg.
      17.- inkl 19 % Mwst. + Versandkosten

      Sebastian Boehlen Cover

      Sebastian Böhlen Band featuring Efrat Alony
      "Geboren unter diesem weichen Wind"

      Interpret: Sebastian Böhlen Band feat. Efrat Alony
      Titel: Geboren unter diesem weichen Wind

      Sebastian Böhlen - Gitarre, Komposition
      Efrat Alony - Gesang
      Andreas Böhlen - Saxophon
      Bernhard Meyer - Bass
      Peter Gall - Schlagzeug


      Format: CD, 08 Titel, 38:37 Minuten
      Katalognr / EAN: 3510339.2 / 4011786173396
      VÖ-Datum: 24. Februar 2017
      Titel:
      1 Vorspiel 5:59
      2 Wieder steht die Pforte offen 2:27
      3 War deine Pforte jemals zu? 5:02
      4 In höchster Todesnot 3:33
      5 Durchs sturmgepeitschte Mittelmeer 7:31
      6 Geboren unter diesem weichen Wind 3:01
      7 Ach, dass der Himmel 5:07
      8 Du, mein Anfang und mein Ende 5:52

      Recorded in August 2016 at Studio P4 Berlin by Christian Bader
      Produced by Peter Cronemeyer, 2016
      Mixed and mastered by Christian Bader
      Cover photo © 1996 by Stefanie Barker (USA) Group photos and studio photos © 2016 by Felix Groteloh
      Catalogue number: Laika 3510339.2
      17.- inkl 19 % Mwst. + Versandkosten


      Sebastian Böhlen Quartet

      "Miscela"

      Sebastian Boehlen Cover

      09 Tracks / 41:06 Min./ 2014 / Katalognr : 3510314.2 / VÖ: 28.11.2014
      17.- inkl 19 % Mwst. + Versandkosten


      Sebastian Böhlen - Gitarre, Bariton Gitarre / Stefan Schmid - Tenor- Sopran Saxophon / Jakob Dreyer - Bass / Peter Gall - Schlagzeug


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