Antoine Spranger Quartet

Castle of Ice

Castle of Ice vom Antoine Spranger Quartet ist ein Album, das weniger wie eine Aufführung wirkt als wie das Betreten eines Raumes. Die Luft scheint bereits in Bewegung, das Licht gedimmt, und jeder Klang hinterlässt eine Spur. Stille erscheint hier nicht als Leerstelle, sondern als aktive, atmende Präsenz. Das Album entfaltet sich in fünf Kapiteln des Castle of Ice-Konzepts: Silhouette, At the Gate, The Pursuit, Homeward Journey und Hidden Staircase. Diese sind nicht nur Übergänge, sondern bilden das verbindende Gewebe der Platte.

Entstanden ist das Projekt aus einer Begegnung beim International Association of Schools of Jazz 2019 in Zagreb. „Ich habe mich beim ersten Ton in sein Bassspiel verliebt“, erinnert sich Spranger an die erste Begegnung mit Regnault. Zurück in Österreich formierte sich mit Tobias Frohnhöfer an den Drums zunächst ein Trio, das später in Paris um den Saxophonisten Ludovic Ernault erweitert wurde. Auch diese Entscheidung folgte keiner Strategie, sondern dem Klang: „Ich war sofort von seinem Sound verzaubert.“ Das heutige Quartett basiert auf intensivem gegenseitigem Zuhören und einem ausgeprägten Sinn für kollektives Spiel. Diese Haltung bestimmte auch die Aufnahmen im Auditorio Stelio Molo in Lugano in zusammenarbeit mit dem RSI. Ohne feste Setlist wurden über drei Tage hinweg Stücke in unterschiedlichen Entwicklungsstadien eingespielt. Der Raum selbst wurde dabei zum entscheidenden Faktor. Das Auditorium mit seinem starken Nachhall erforderte ein sensibles Spiel mit Dynamik und Dichte. „Man musste ständig hören, wie der Raum mitklingt – fast wie ein fünfter Musiker“, beschreibt Spranger den Prozess. Schnitte waren kaum möglich, was den Aufnahmen eine besondere Unmittelbarkeit verleiht.

Die Kompositionen stammen von allen Ensemblemitgliedern und sind über unterschiedliche Zeiträume entstanden. Sprangers eigene Stücke tragen deutlich die Spuren seiner klassischen Ausbildung. „Meine Harmonik ist stark vom Impressionismus geprägt“, sagt er und verweist auf Debussy und Ravel als zentrale Einflüsse. Diese verbinden sich mit der Offenheit des zeitgenössischen Jazz zu einer Musik, die Struktur anbietet, ohne sie festzuschreiben.

Castles of Ice ist ein Album des Zuhörens: konzentriert, zurückhaltend und von großer klanglicher Tiefe. Es richtet sich an Hörerinnen und Hörer, die Musik nicht konsumieren, sondern ihr Raum geben wollen.
  • Laika Records bei SPOTIFY
  • Laika Records YouTube Kanal
  • Laika Records bei Facebook
  • Laika bei Instagram
  • Laika Records bei bandcamp
© 1996-2026 Laika Records, Peter Cronemeyer, Schlachte 41, D-28195 Bremen, phone: ++49 (0)421 32 38 11 / 32 36 08 e-mail: info@laika-records.com